40 Jahre Anschnallen

Am 1. Januar 1974 wurde in der BRD der Einbau von Sicherheitsgurten in Neuwagen vorgeschrieben. Lange Zeit, vor allem zu Anfang, als seine Benutzung auf freiwilliger Basis geschah, und auch nach der Einführung der Gurtpflicht im Jahr 1976, war er ungeliebt und wurde missachtet. Doch er hat sich nicht zuletzt seit 1984 durchgesetzt, als die Anschnallpflicht mit einem Bußgeld bei Zuwiderhandlung verbunden wurde, seine Nutzung wurde Routine. Nun feiert der Sicherheitsgurt, der unscheinbare Lebensretter, mittlerweile seinen 40. Geburtstag.

 

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Foto: © Dieter Schütz/pixelio.de

Verinnerlichte Handgriffe

Hinters Steuer gesetzt folgt ein Griff über die Schulter, ein Ziehen und schlussendlich ein Klicken. Der Gurt ist umgelegt, es kann losgehen. Die einfachen Handgriffe werden heutzutage nicht zuletzt von Beginn an in der Fahrschule eingebläut, schon von klein auf werden die Kinder von ihren sicherheitsbewussten Eltern angehalten, sich im Auto anzuschnallen, sodass der Anschnallprozess bei den meisten Autofahrern halb bewusst und reflexhaft durchgeführt wird. Für die Vergesslichen, die die Prozedur nicht verinnerlicht haben, hilft seit einigen Jahren der Gurtwarner aus, der nervige Piepton, der anspringt, wenn das Fahrzeug in Gang gesetzt wird, ohne dass sich der Fahrer angeschnallt hat.

Psychologisches Dilemma

Das war allerdings nicht immer so. Zu seiner Einführung vor 40 Jahren hatte der Sicherheitsgurt einen schweren Stand. Die Autofahrer waren skeptisch und lehnten den Gurt ab, da sie sich gegängelt fühlten. Hinzu kam ein psychologischer Effekt, wie Forscher herausfanden. Die Menschen assoziierten den Gurt nicht mit der Sicherheitsfunktion, sondern mit den Folgen eines Unfalles und wollten sich nicht im Auto fesseln. Erst nach der Einführung der Anschnallpflicht änderte sich dies, da eine Zuwiderhandlung mit hohen Geldbußen belegt wurde. Der Sicherheitsgurt wurde zum Lebensretter Nummer 1, ein Stand, den er heute noch besitzt.

Hohe Anschnallquote

98 Prozent aller Autofahrer schnallen sich Statistiken zufolge an. Allerdings gibt es bei bestimmten Bevölkerungsgruppen eine Häufung von Fahrern, die den Sicherheitsgurt nicht nutzen. Berufskraftfahrerlassen den Gurt aus Gruppenzwang weg, da in dieser Berufsgruppe der Gurtnutzer als Anfänger gilt. Paradoxerweise sind sich die meisten Berufskraftfahrer der Gefahr offenbar bewusst, denn mehr als die Hälfte schnall sich im privaten Pkw an. Andere Menschen, die sich nicht anschnallen, gehen von der irrigen Annahme aus, dass sie sich bei einem Unfall festhalten können. Crashtests zeigen, dass bei einem Frontalaufprall bereits bei 10 km/h Kräfte wirken, die die menschliche Kraft übersteigen. So kommen immer noch Menschen ums Leben, die auf den Gurt verzichtet haben. Dem DVR zufolge endet jeder fünfte Unfall aus diesem Grund tödlich.

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