ADAC-Affäre weitet sich aus

Die Affäre um die manipulierten Daten bei der Vergabe des Preises „Gelber Engel“ bleibt nicht auf den ADAC beschränkt. Die Verbraucher sehen auch die Fahrzeug-Rankings anderer Autovereine, Prüforganisationen und Zeitschriften kritischer. Diese sind nun in Erklärungsnot.

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Methoden der Datenerhebung werden kritisch hinterfragt

Vor einigen Tagen hat die Prüforganisation Dekra ihren jährlichen Gebrauchtwagenreport vorgestellt. Doch in diesem Jahr ist einiges anders. Diesmal stehen weniger die Fahrzeuge im Vordergrund als vielmehr die Methoden, mit denen die Dekra das Ranking erstellt hat. Denn die Affäre des ADAC um die manipulierten Daten weitet sich aus und ergreift auch die Erhebungen anderer Organisationen. Doch damit hat Gerd Neumann, der Chef der Dekra, auch gerechnet und versucht, kritische Fragen zu beantworten. Man sei am Kunden interessiert, nicht am Hersteller der Fahrzeuge, beschwichtigt Neumann.

Publikumspreise haben ihre Berechtigung

Vor allem die Rankings der Zeitschriften werden kritisiert. Marktforscher kritisieren die Methoden, die hinter den Erhebungen stehen. Beispielsweise seien Leser-Umfragen in Zeitschriften nicht repräsentativ, weil der Kreis der befragten Personen zu klein sei. Das gleiche gelte für die Mitgliederbefragung eines Vereins. Dabei handele es sich nicht um unabhängige Studien, die einen repräsentativen Querschnitt als Grundlage nähmen, erklärt Soziologe Steffen Hillmert. Auch die Erhebungen der Autovereine, so repräsentativ sie scheinen mögen, bildeten nicht die volle Realität ab, da hier unter anderem mit subjektiven Fragestellungen gearbeitet werde. Für die Fahrzeughersteller haben jedoch auch solche Erhebungen und die daraus entstehenden Preise durchaus eine Bedeutung. Denn sie spiegeln zumindest die öffentliche Meinung wieder, erklärt ein Sprecher des Fahrzeugherstellers Daimler. Aus diesem Grund wird sich die Branche auch nach dem Skandal um den „Gelben Engel“ nicht von Publikumspreisen abwenden.

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