Augen auf beim Spritverbrauch

In Zeiten steigender Kraftstoffpreise ist es eines der wichtigsten Kriterien, die über den Kauf oder Nichtkauf eines Fahrzeugs entscheiden – der Kraftstoffverbrauch. Allerdings sollte der zukünftige Autobesitzer vorsichtig sein mit den Zahlen und eine gesunde Skepsis bewahren. Dass einige der Angaben kaum stimmen können und eine reine Marketingaktion sind, ist vielen Autofahrern instinktiv und aufgrund täglicher Beobachtungen klar. Nun gibt ihnen eine Studie recht. Und diese spricht von Manipulationen, die den realen Spritverbrauch um 25 Prozent unterbieten.

 

Autokauf

Der Kraftstoffverbrauch ist ein wichtiges Kriterium beim Kauf eines Autos. Aber hier dürften sich künftige Autobesitzer derzeit gehörig verrechnen Foto: © Thorben Wengert/pixelio.de

Das International Council of Clean Transportation, kurz ICCT, hat für seine Studie mehr als 500.000 Fahrzeugdaten aus mehreren europäischen Ländern ausgewertet. Dabei hat das ICCT Bedenkliches herausgefunden. Wie Peter Mock, der Geschäftsführer des Instituts in Europa mitteilte, hat die Lücke zwischen den von den Fahrzeugherstellern angegeben Daten zum Kraftstoffverbrauch und der tatsächliche Kraftstoffverbrauch erheblich zugenommen. In Zahlen ausgedrückt: Noch vor zehn Jahren betrug die Diskrepanz zahn Prozent. Die aktuelle Studie des Instituts besagt, dass der Unterschied auf bis zu 25 Prozent angestiegen ist.

Den Angaben des ICCT zufolge hat diese Diskrepanz mehrere Gründe.Im Mittelpunkt steht allerdings das Testverfahren „Neuer Europäischer Fahrzyklus“, der es den Fahrzeugherstellern einfach macht, die Daten zu manipulieren. Die Prozedur wird seit mehreren Jahren kritisiert, da die Autobauer ihre Fahrzeuge unter völlig realitätsfernen Bedingungen testen. Die Tricksereien, um die Verbrauchsdaten zu reduzieren, reichen von der Benutzung von Leichtlaufreifen und speziellen Schmierstoffen für die Verringerung des Roll- und des Reibungswiderstandes bis hin zum Abkleben von Spalten, um einen geringeren Luftwiderstand zu simulieren. Diese Maßnahmen sind legal, die Vorgaben der Prozedur sind so weit gefasst, dass die Fahrzeughersteller bei ihren Tests große Spielräume haben.

Die Leidtragenden sind natürlich die Autokäufer. Der Studie zufolge kosten die Abweichungen den durchschnittlichen Fahrer 300 Euro jährlich. Also beim Autokauf die angegebenen Spritkosten genau im Auge behalten und gegebenenfalls bei einer längeren Probefahrt prüfen. Ansonsten gilt die Devise: Weisen die Prospekte allzu sagenhafte Kraftstoffwerte auf, sollte das Märchenbuch geschlossen und in die Realität zurückgekehrt werden.

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