Hausfrauen-Porsche

Der Karmann Ghia von VW gilt, trotz eher mäßiger Leistungen, als Volkssportler. Der Prototyp des Wagens wurde 1953 in Turin gefertigt, wo er den Chef des Fahrzeugherstellers begeisterte, der noch am Tag der Besichtigung die Serienfertigung anwies. Allerdings war der Wagen da noch nur als geschlossenes Fahrzeug geplant. Die Cabrio-Version ließ noch bis 1957 auf sich warten. Doch dann kam auch der offene Traum von Wilhelm Karmann, dem Entwickler der ersten Entwürfe des Sportcoupés, auf die Straße.

34103

Foto: © Jörg Sabel/pixelio.de

 

Erfolg trotz schwacher Leistungen

Der Karmann Ghia, der auf dem VW Käfer basierte, war weniger erfolgreich als dieser. Bis zum Ende der Herstellung im Jahr 1974 rollten mehr als 360.000 Coupés vom Produktionsband. Von den Cabriolets wurden knapp 80.000 Stück hergestellt. Vor allem auf Frauen übte der Karmann Ghia mit seinen italienischen Rundungen eine große Anziehungskraft aus, Männer waren eher unten durch, wenn sie in den 1950ern hinter dem Steuer eines Karmann Ghia gesehen wurden. Dies und die eher mäßige Leistung des Motors brachten dem Wagen die spöttischen Bezeichnungen “Sekretärinnen-Ferrari” und “Hausfrauen-Porsche” ein. Denn der Karmann Ghia versprach mit seinen Linien zwar sportliches Temperament, doch der Motor löste dieses Versprechen leider nicht ein. Der luftgekühlte Vierzylinder-Boxer leistete nur magere 30 PS, die gegen Ende der Bauzeit auf 50 PS erhöht wurden. Und eine Höchstgeschwindigkeit von 118 km/h war auch in den 50ern kaum als sportlich zu bezeichnen.

Rost, Rost, Rost

Dementsprechend urteilte damals auch die Fachpresse. Das Urteil “Mehr Schein als Sein” war in mehreren Testberichten zu finden. Doch seine weiteren Qualitäten kann man dem Karmann Ghia nicht absprechen. Die Lenkung ist sehr leichtgängig und selbst wenn das Verdeck, das schnell und einfach versenkt werden kann, aufgeklappt und hinter den Sitzen verschwunden ist, bietet der Wagen noch genügend Platz. Als Oldtimer steigt der Karmann Ghia seit einigen Jahren stetig im Wert. Wahrscheinlich, weil die Anzahl der verfügbaren Modelle immer weniger wird. Denn der Wagen hat ein gravierendes Problem. Rost. Soweit kein Problem, sollte man meinen. Doch die Karosserie ist wie aus einem Stück gefertigt, alles ist verschweißt. Eine einfache Blechreparatur wird hier zu einer langwierigen Angelegenheit. So sind heute nur noch wenige Karmann Ghia zu finden, die wirklich keinen Makel aufweisen.

Bewerten Sie den Artikel

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


2 − = eins

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>