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Vorsicht bei Wildwechsel

Nebel, schlechte Sicht in Waldgebieten und plötzlicher Wildwechsel – im Herbst steigt traditionell die Zahl von Unfällen mit Wild. Doch die Autofahrer können einiges tun, um die Gefahr von Wildunfällen zu minimieren.

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Runter vom Gaspedal! Wildwechsel! Foto: © Rainer Sturm/pixelio.de

 

Anstieg der Wildunfälle

In der Statistik des Deutschen Jagdverbandes wurden in der Jagdsaison 2012/13 knapp 210.000 Wildunfälle zusammengetragen. Dies ist ein Anstieg um sieben Prozent zum Vorjahreszeitraum. Besonders Wildschweine waren in dieser Saison die Opfer der Unfälle. Knapp 22.000 von ihnen starben bei einer Kollision mit einem Fahrzeug, 29 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Tödliche Unfälle mit Rehen stiegen um fünf Prozent auf knapp 18.000 an.

Hohe Dunkelziffer

Allerdings gehen die Experten davon aus, dass dies noch nicht die reale Zahl der Wildunfälle ist. Zahlreiche Kollisionen werden gar nicht erst gemeldet, das verendete Tier wird entweder einfach zurückgelassen oder selbst entsorgt, entweder aus Unkenntnis der Meldepflicht bei einem derartigen Ereignis oder um Ärger mit den Behörden zu vermeiden. DJV-Präsident Hartwig Fischer teilte mit, dass der Verband von einer drei- bis fünfmal höheren Zahl ausgeht. Vor allem Unfälle mit kleineren Tieren wie Füchse würden kaum gemeldet.

Auch Personenschäden

Doch nicht nur die Tiere sind die leidtragenden bei den Unfällen. Auch für 20 Menschen endete die Kollision mit einem Wild tödlich, knapp 3000 wurden verletzt. Durch die Unfälle kam es Schätzungen zufolge zu einem Gesamtschaden von einer halben Milliarde Euro. Auch hier liegt die Anzahl wahrscheinlich höher, da Kollisionen, die aufgrund eines missglückten Ausweichmanövers am Baum endeten, nicht als Wildunfälle erfasst werden.

Gefahren minimieren

Die Autofahrer können natürlich einiges tun, um die Gefahr eines Wildunfalls zu minimieren. Natürlich gilt es, in besonders gefährlichen Gegenden, wie schwer einsehbaren Waldstücken, das Tempo entsprechend zu drosseln. Ebenso allgemein bei schlechter Sicht auf der Landstraße. Unbedingt sind auf entsprechende Warnschilder zu achten, da das Wild in der Regel feste Routen und feste Tageszeiten hat. An diesen Stellen und in den Morgen- und Abendstunden steigt die Gefahr eines Wildwechsels deutlich.

Lichtempfindliches Wild

Zudem sollte Fernlicht vermieden werden. Wildtiere sind sehr lichtempfindlich und sind von dem grellen Licht gebannt, das Reaktionsvermögen der Tiere sinkt. Entdeckt man ein Tier, hilft es zumeist, es durch laute Geräusche wie Hupen zu erschrecken. Zudem sollte bei Sichtkontakt das Tempo noch einmal gedrosselt werden. Wildtiere sind Herdentiere, die Gefahr, dass weiteres Wild folgt, ist hoch.

Kontrollierte Kollision einleiten

Ist ein Unfall nicht mehr zu vermeiden, gilt unbedingt: Ruhe bewahren, Lenkrad festhalten und eine Vollbremsung einleiten, um das Schlimmste zu verhindern. Keinesfalls ein Ausweichmanöver einleiten, auch wenn es einem leid tut um das Tier. Der Wagen kommt vor allem bei höheren Geschwindigkeiten schnell ins Schleudern und landet am nächsten Baum. Hier sind nicht nur die Verletzungsgefahr und der Schaden am Fahrzeug durch das starre Hindernis größer. Da der Unfall dann nicht als Wildunfall zählt, zahlt die Versicherung auch den Schaden nicht voll.

Unbedingt Behörden informieren

Ist es zu einem Unfall gekommen, gilt es, die Unfallstelle mit einem Warndreieck abzusichern und die Behörden zu informieren. Auch wenn das Wild nur gerammt wurde und das Tier flüchten konnte. Es könnte bei einem Unfall trotzdem verletzt wurden sein und später im Wald verenden, was Raubtiere anlockt. Lebt das auf der Straße liegende Tier noch, sollte es auf keinen Fall berührt werden. Wildtiere sind enorm schreckhaft und nicht an Menschen gewöhnt. Bei einer Abwehrreaktion wie einem Tritt von einem Reh drohen Verletzungen. Die Behörden kümmern sich um das Tier. Zudem ist man bei der Versicherung abgesichert.

Nicht für das Abendessen geeignet

Und wer denkt, nach einem Wildunfall sei das Abendessen gesichert, handelt sich große Probleme ein. Vielleicht nicht direkt durch den Verzehr des Rehgulaschs, wenn das Tier keine Krankheiten hatte, was allerdings häufig vorkommt. Aber die Behörden reagieren alles andere als erfreut durch diese Art der Essensbeschaffung, da es als Wilderei eingestuft wird.

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